Neuentwicklungen 2019-2020

Therapie Parkinson
Der Weg zu individualisierten Therapien

Im Jahr 2019 wurden viele innovative Ergebnisse veröffentlicht, die für die Behandlung von Patienten mit Bewegungsstörungen und M. Parkinson von großer Bedeutung sein werden.

Beiträge aus der Grundlagenforschung haben ein besseres Verständnis der Ausbreitung von α-Synuclein (Eiweiß relevant für die Pathologie der Parkinson-Erkrankung) ermöglicht, das die Erforschung neuer Therapien vorangetrieben hat, wie beispielsweise die laufenden Studien mit Antikörpern gegen das aggregierte α-Synuclein. Die transneurale Ausbreitung von pathologischem α-Synuclein aus dem peripheren Darm zum Gehirn über den Vagusnerv war seit vielen Jahren vermutet und nun besser verstanden. Mehrere laufende klinische Studien der Phasen 1 und 2 zielen daher auf α-Synuclein bei Patienten mit M. Parkinson oder MSA.

Wir wissen mehr über die Wikrung von L-Dopa oder zu neuen Applikationsformen von L-Dopa z.B. subkutan (unter die Haut). Die Entdeckung, dass der Levodopa-Stoffwechsel durch Bakterien im Dünndarm beeinflusst wird, bringen neue Informationen über die Dosierung dieses Medikaments.  Wichtigen Unterschiede der Levodopadosierung wurden zwischen Männer und Frauen postuliert und neue Möglichkeiten für personalisierte Behandlungsstrategien entwickelt. Es wurde weiterhin gezeigt, dass diätetische Veränderungen für die Aufnahme von L-Dopa aber auch für die Darmbesiedlung von Bakterien (Mikrobiota) bei Patienten mit Parkinson-Krankheit eine wichtige Rolle spielen. Es wurde vorgeschlagen, dass die mediterrane Ernährung eine positive Wirkung für einen günstigeren Verlauf der Parkinson-Krankheit hat. Auch engere Interaktionen wurden zwischen Glucose-(Zucker) Stoffwechsel und Fortschreiten der Parkinson Erkrankung beschrieben.

Im Bereich der tiefen Hirnstimulation konnte ein internationales Konsortium mit unserer Beteiligung aus Mainz zeigen, dass die direktionale Stimulation ein breiteres therapeutisches Fenster hat (weniger Nebenwirkungen bei gleicher Stimulationstärke, Daten präsentiert auf der internationalen MDS-Tagung).

Klinische Studien veröffntlichten  Ergebnisse zu neuen Therapien für die Huntington-Krankheit mit Antisense-Oligonukleotiden, die auch für die Behanldung von genetischen  Formen der Parkinson Erkrankung eine wichtige Rolle spielen werden. Patienten mit früher Huntington-Krankheit, die mit aufsteigenden Dosen von intrathekal (direkt ins Rückenmark) verabreichten Antisense-Oligonukleotiden behandelt wurden, hatten eine statistisch signifikante Reduktion der pathologischen Eiweiße ohne relevante Nebenwirkungen. Ob sich diese vielversprechende Behandlungsstrategie auch auf den Krankheitsverlauf bei manifester Huntington-Krankheit und asymptomatischen Mutationsträgern auswirken wird, muss in nachfolgenden und längeren Studien untersucht werden.

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